Claytonia perfoliata, der Winter-Portulak, auch bekannt als Gewöhnliches Tellerkraut, Kubaspinat oder Postelein, stammt aus Nordamerika. In Europa und anderen Regionen kommt er neophytisch vor, in Deutschland gilt er als eingebürgert.
Dementsprechend gering sollte sein Nutzen für unsere Ökosysteme sein.
Obwohl er sich an zusagenden Standorten breitflächig ausbreiten kann, gilt er nicht als invasive Art. Was vermutlich damit zu tun hat, dass sich seine Vegetationsperiode vom Herbst bis in das Frühjahr erstreckt.
So zumindest beobachte ich den Winter-Portulak hier in der Region. Wo die ersten Pflänzchen dieser Art schon ab November zu sehen sind. In seiner nordamerikanischen Heimat scheint er sich erst im Frühjahr zu zeigen.

Völlig wertlos ist er für die von ihm besiedelten Standorte aber nicht. Als Bodendecker schützt er vor Erosion und auch einige Insekten sollen sich von der zur Familie der Quellkrautgewächse (Montiaceae) zählenden Pflanze ernähren.
Die Betonung lege ich hier auf sollen, denn beobachten konnte ich das noch nicht. Mit der Ausnahme von Feuerwanzen, die aber in der Wahl ihrer Wirtspflanzen nicht picky sind.

Der Gefleckten Weinbergschnecke scheint Winter-Portulak nicht zu schmecken, ebenso wie meinen Kellerasseln, beide wollten ihn weder roh noch blanchiert verspeisen.

Wer profitiert denn dann vom Winter-Portulak?
Wir Menschen! Winter-Portulak kann roh als Blattsalat oder gekocht wie Spinat zubereitet werden. Er schmeckt mild würzig und ähnelt im Aroma dem Kopfsalat. Neben Vitamin C enthält er auch einige Mineralstoffe.
Leider enthält er auch Oxalsäure, weshalb er nicht in großen Mengen roh verzehrt werden sollte.

Auch optisch hat der Winter-Portulak einiges zu bieten: Er bringt frisches Grün in unsere Winter und besticht durch seinen eigenen Charakter. Die Blütenstände sitzen auf sogenannten perfoliaten Blättern, also zwei zusammengewachsene Blätter, die wie ein kleiner runder Teller wirken.

Womit auch die Herkunft des Namens Tellerkraut und des botanischen Artnamens perfoliata erklärt wären.
Im Kühlschrank bleibt Winter-Portulak ungefähr eine Woche frisch, er sollte dort aber nicht zu lange gelagert werden, da er durch seinen hohen Wassergehalt anfällig für mikrobielle Verderbnis ist.

Die oben gezeigten Pflänzchen hatte ich für vier Wochen im Kühlschrank aufbewahrt. Sie sind nach der Entnahme innerhalb weniger Stunden in sich zusammengefallen.
Wer Winter-Portulak im Garten anbauen möchte, kann ihn dort ab November aussäen, er keimt bei niedrigen Temperaturen.
Mir ist der Anbau leider nicht gelungen, vermutlich weil der Boden in meinem damaligen Garten zu sandig war.

Mein Fazit: Claytonia perfoliata ist keine heimische aber auch keine schädliche Pflanze. Winter-Portulak schmeckt lecker und vergrünt unsere trüben Winter.
Wofür er sich übrigens nicht eignet, ist für den Vasenschnitt. Ich konnte ihn weder in der Wohnung noch auf dem Balkon zum Blühen bringen.


Winterportulak, Postelein, Gewöhnliches Tellerkraut